
Oliver Seitz
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Die Orgel ist mein Lieblingsinstrument. Ich stieg hinauf, um mir den Mann, der die weihevolle Komposition von Palestrina so verdarb, einmal anzusehen. Der Kantor stand vorn am Pult und schwang den Taktstock. Der Organist war ein kleines, dünnes, bewegliches Männchen. Als er sah, dass ich, an der Ecke des Orgelgehauses lehnend, ihn beobachtete, kam ihm sichtlich die Lust, Eindruck auf mich zu machen. Dann kam ein kurzes Vorspiel, das in eine bekannte und liebe Melodie hinüberleitete. Leider aber hatte der Organist oben Vox angelica, Vox humana, Äoline und Flauta annabile gezogen und dazu für die Bässe die tiefsten und stärksten Register, so dass die schöne Melodie wie ein Bächlein im Meer der Bässe verschwand.
Das konnte ich unmöglich aushalten. Mochte der biedere Orgelschläger mich seinetwegen dafür mit ewiger Blutrache verfolgen, ich huschte zu ihm hin, schob die volltönenden Stimmen hinein und registrierte anders.
(nach: Karl May, "Am Rio de la Plata")
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